Aufnahmedatum: 09/11/2015
Gesehen: 186 Aufrufe

Marcel Beyer

Poetik-Vortrag von Marcel Beyer

Seitdem Novalis an der Wende zum Jahrhundert ins Bergwerk hinabgestiegen ist, bietet keine literarische Form so vielen unterschiedlichen Sprach- und Bilderwelten Raum wie das Gedicht. Je weiter es sich jedoch der Welt gegenüber öffnet, indem es sprachliche Schauplätze aufsucht, in soziale Milieus hineinhorcht, als desto "schwieriger" wird es seltsamerweise betrachtet. Leser scheinen weder ihre Alltagserfahrungen wiederzuerkennen noch die Medienwirklichkeiten, in denen sie sich selbstverständlich bewegen, sobald sie im Gedicht auftauchen. Selbst der Inhalt ihres eigenen Kühlschranks wäre ihnen vermutlich völlig fremd, würde er in einem Gedicht aufgelistet. Möglich, "Allgemeinverständlichkeit" ist von vornherein ein trügerisches Konzept. Möglich, es wäre an der Zeit, "Das Wandern ist des Müllers Lust" als fröhlich geschmetterten Denunziantenbericht zu lesen.

Weitere Infos unter:
http://translit.phil-fak.uni-koeln.de/23466.html